Transformation führt von einem Zustand in einen anderen. In welchen?

by | Jan 5, 2023 | Blog

Der Begriff »Business Transformation« hat Konjunktur wie nie. Dabei ist es eine Binsenwahrheit, dass alles fliesst. Wir befinden uns in einem permanenten Transformationsprozess. Schon immer. Wir haben Prozesse optimiert, Strukturen angepasst, neue Märkte erschlossen, die Relevanz unserer Produkte erhöht und sind neue Beziehungen eingegangen. Wir waren innovativ und haben unsere Darlings gekillt. Und siehe da, wir leben noch. Nur anders. Wir haben uns transformiert. Mehr oder weniger gezielt. Mehr oder weniger bewusst.

Den Common Sense konstruktiv hinterfragen

Wir wissen: Unsere Gegenwart wird in Zukunft Vergangenheit sein. Doch diese Zukunft kennen wir nicht. Wir wissen nicht, unter welchen Bedingungen wir in diesem neuen Jahr, geschweige denn in den kommenden Jahren arbeiten werden.

Reden wir über Zukunft, reden wir über Szenarien, in denen wir keine Erfahrung haben. Also richten wir den Fokus auf die Vergangenheit, wo wir uns sicher fühlen. Doch die Vergangenheit ist trügerisch. Aus der Vergangenheit heraus generieren wir Common Sense. Common Sense ist die Orientierung an Erfolgsmustern, die in der Vergangenheit gültig waren und heute noch gültig scheinen. Doch was heute gültig scheint, ist es bereits, aber spätestens in der Zukunft, womöglich nicht mehr. Es muss uns gelingen, den Common Sense konstruktiv zu hinterfragen.

Das Management der Gegenwart

Den Common Sense hinterfragen wir, indem wir die Gegenwart managen. Denn das Management der Gegenwart stützt sich nicht auf Mythen einer verklärten alten Zeit. Es stützt sich auch nicht auf ein Bild der Zukunft, auf das, was wir so locker als Vision bezeichnen. Transformation ist kein Krimi, wo wir auf der letzten Seite nachlesen können, wie es ausgeht.

Das Management der Gegenwart macht sich die Prozesse in unseren vielfach vernetzten Systemen bewusst. Es geht dabei nicht darum, Komplexität zu reduzieren, wie dies so oft empfohlen wird. Denn Komplexität lässt sich nicht reduzieren. Aber man kann ihr begegnen. Nur wie?

Leading from the future as it emerges

Einen Anhaltspunkt gibt uns Otto Scharmer, Professor am MIT und Erfinder der »Theory U«. In der Theory U geht es darum, Veränderungsprozesse sowohl vergangenheitskritisch als auch zukunftsorientiert zu gestalten: »leading from the future as it emerges.« Tatsächlich ist die Zukunft nicht weit weg, sondern präsent. Sie klopft sozusagen an die Tür. Wir kennen sie zwar nicht, aber wir ahnen sie. Wir vermuten, was kommen wird. Wir entwickeln eine Sensibilität dafür, dass es nicht mehr länger so weitergehen kann, wenn es weitergehen soll.

Alternative Wirklichkeiten in Veränderungen überführen

Wir können Transformation definieren als die Kunst, alternative Wirklichkeiten zu denken und in Veränderungen zu überführen. Der entscheidende Perspektivenwechsel geht laut Scharmer von der traditionellen Betrachtung unseres Ego-Systems zur neuen Betrachtung unseres Eco-Systems: Lösen wir uns von der Innensicht auf die Aussensicht, auf die Welt, für die wir einen Beitrag leisten wollen, öffnen wir unsere Perspektive auf unsere Stakeholder, unsere Mitbewerber, unsere Märkte und auf die Welt, in der wir leben wollen. Dieser Perspektivenwechsel kann laut Otto Scharmer durch Prozesse des Hinhörens, des Austauschs, der Intuition und der gezielten Infragestellung des Common Sense herbeigeführt werden. Bezeichnenderweise nennt Otto Scharmer diesen Prozess »Presencing«, Vergegenwärtigen. Transformation ist keine Story mit Anfang und Ende. Sie findet statt. Jetzt. Managen wir sie.

Check it out:

Christiane Schulzki-Haddouti: Wege in die Große Transformation: »Wer möchtest Du gewesen sein?« ist für Otto Scharmer die Frage.

Download:

C. Otto Scharmer: Addressing the Blind Spot of Our Time.